Silvio Foretić (*1940)

Silvio Foretić wurde am 21. Dezember 1940 in Split (Kroatien) geboren, als Sohn eines Operntenors und als Sprössling einer alten Schiffbau – und Seemannsfamile von der Insel Korčula; nach einer (zwar nicht nachgewiesenen, aber auch nicht wiederlegten) Hypothese, könnte er ein entfernter Nachkomme des legendären Weltreisenden Marco Polo sein.
Seine ersten akustischen Erlebnisse waren Kriegsgeräusche und Opernarien (Mussolini und Bellini). Die Kinder- und Jugendjahre verbrachte er in den Städten Sarajevo und Osijek. Hier besuchte er das Gymnasium und spielt Kinderrollen im Theater, erhielt mit 11 Jahren den ersten Klavierunterricht und begann mit etwa 12 zu komponieren.

Nach dem Abitur geht er (1959) nach Zagreb, wo er an der dortigen Musikakademie Komposition bei Milko Kelemen studiert. Während des Studiums ernährt er sich als Musikkritiker und -feuilletonist, als Klavierbegleiter und Korrepetitor verschiedener Instrumentalisten, Sänger und Tänzer als Orchestermusiker, Operettendirigent und als erster Hauspianist und Komponist humoristischer Lieder im satirischen Kabarett- Theater „Jazavac“ (heute „Kerempuh“). Im Jahre 1963 gründete er das „Ensemble für zeitgenössische Musik“ mit welchem er (vorwiegend zusammen mit dem Kollegen Janko Jezovsek) etliche happeningartige , skandalumwitterte Konzerte veranstaltet. Man bezeichnet ihn bald als enfent terrible der kroatischen Musik, während er in politischen Kreisen als ein „dekadenter Westler“ und seine Auftritte als „gesellschaftsschädlich“ kritisiert werden.

1966 kommt Foretić nach Köln wo er in der Klasse von Herbert Eimert die elektronische Musik kennenlernt u seine Komponierkentnisse bei B. A. Zimmermann vertieft. Ausserdem besucht er die Kurse bei Karheinz Stockhausen. Einige Zeit ist er Assistent und Mitarbeiter von Mauricio Kagel. Er wirkt als Komponist und Textdichter, sowie als Interpret vorwiegend eigener Werke und zwar als Dirigent, Pianist, Sänger und Schauschpieler. Längere Zeit lehrt er an der Folkwang Hochschule in Essen und Duisburg. Dort gründet er das Ensemble „Fin de siecle-fin de millenaire“ mit dem er mehrere Konzerte veranstaltet, vorwiegend mit Stücken junger Komponisten. Einige Jahre ist er Vorstandsmitglied der „Kölner Gesellschft für Neue Musik“ (KGNM).

Er ist Mitbegründer und langjähriger Vorsitzende der „Colonia Croatica“ genannten kroatischen Kulturgemeinschaft in Köln. In der letzten 10 Jahren nimmt er an Musik- und Kulturleben Kroatiens immer aktiver teil. Er ist künstlerischer Leiter der Musiktribühne in Opatija und hat einige gelungene Auf- und Uraufführungen. Seine Oper „Der Marschall“ ist allerdings nach der Generalprobe verboten worden.

Seine wichtigsten Werke sind: MELUSINE, LIEBESTRAUM, FABULARIUM, LA MERDE DE SIECLE (Lieder), VALSE MACABRE, PEACEWAR ODER FRIEG UND KRIEDE (Lieder), SONATE NOSTALGIQUE (für einen Pianisten an zwei Klavieren), LULLABY FOR MYSELF (Klavier und Gesang), SEMI-MONO-OPERA (für einen agierenden Sänger /Tenor/ und mehrere unsichtbaren Stimmen), KONZERT FÜR ZWEITE VIOLINE (für Orchester), CONCERTO ROSSO (Klavier und Orchester), SOAP-OPERA u.a.

 

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Silvio Foretić (1940, Croatia) spent his childhood and adolescence in Sarajevo and Osijek. After his first compositional attempts, he began to study composition with Milko Kelemen at the Music Academy of Zagreb, in 1956. During his studies he worked as a journalist, orchestral performer, ballet and opera rehearser, opera conductor, and also as a full time pianist and composer at the satirical theater Jazavac (today Kerempuh). In 1963 he founded the Ensemble for Contemporary Music, and three years later he moved to Cologne, where he continued to study composition with Alois Zimmermann and electronic music with Herbert Eimert. He specialized in composition with Karlheinz Stockhausen, and was the associate and assistant of Mauricio Kagel. From 1974 to 2006 he taught at the Folkwang-Hochschule in Essen and Duisburg. There, in 1982, he founded the ensemble Fin de siècle – fin de millénaire with who, during the twelve years of activity, he performed about fifty concerts of contemporary music. He is also the founder and longtime president of the Croatian Cultural Association Colonia Croatica in Cologne. He was a member of the Board of the Cologne Society for New Music, for several years. He works as a composer, songwriter and performer (conductor, pianist, singer), mostly of his own works.

Valse macabre, for voice and salon orchestra, was created upon an invitation from Westdeutscher Rundfunk (WDR) in Cologne, on the occasion of the thematic program called Tänze. It is interesting to note that, on the same occasion, the works of Luciano Berio (Pas de quoi) and Mauricio Kagel (Tango alemán) were also premiered.

The text of the composition is related to the author’s series La merde de siècle, and addresses the problem of environmental pollution. Although it was written thirty-two years ago, this work is still very actual (Foretić adds “unfortunately”) and seems it will remain so for a long time. In all previous performances the vocal part was rendered by the composer himself, who also was, in most cases, the conductor. However, since the composer lost his voice, the composition has not been performed for nearly fifteen years (although a compact disc edition was published). Therefore, for the composer (who tonight sits passively in the audience) tonight’s performance has, as he said, the meaning and charm of a premiere.

Werke

 

Der Geist des Marschalls Tito
Kroatischer Orginaltitel: Maršal
Oper

Valse Macabre
für Gesang und Salonorchester

Monotonia
(1983/ 1985, rev. 1995)

Ordinarium Missae
(1967/ 1995)

Fabularium animale
(1972 – 1984)

Liebestraum
(1969/ 1971/ 1983)

Melusine
Kammertondichtung nach dem gleichnamigen Schaupiel von Yvan Goll (1966/ 1967)

Concerto for second violin and orchestra
(2005)

VW-Quintet(o)

Am schönen braunen Rhein

Concerto for Horn and Candle

Polonaise for four Horns, four Saxophones, four Trombones and Piano

Konzert

 

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Aufnahmen

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